Technik

Seit 1997 bin ich damit beschäftigt, Colografien mit Schieferplatten herzustellen. Schon längere Zeit davor hatte ich mich mit diesem Gedanken beschäftigt, aber Künstlerkollegen rieten mir davon ab, da Schiefer von seiner Beschaffenheit her zu weich sei, um ihm dem Druck der Presse aussetzen zu können.

Ich hatte also diese Argumente gegen mich, aber gerade darum wollte ich den Versuch wagen.

Seit meiner Kindheit war ich mit dem Material vertraut, da Schiefer im Hunsrück in der Natur überall vorhanden ist. Bei einem meiner Besuche in der alten Heimat ging ich also in eine der benachbarten Schiefergruben und suchte mir alle möglichen Platten, von denen ich den Eindruck hatte, sie könnten mir nützlich sein. Die Platten waren zugschnitten auf die Grössen, wie man sie zum Decken der Dächer benutzt.

Wieder auf Mallorca besuchte ich einen Kurs in der Fundación Pilar y Joan Miró mit dem Japaner Mitsuo Miura und erzählte auch ihm von meinem Vorhaben. So brachte ich meine vorbearbeiteten Platten mit. Da ich zu dieser Zeit über keine eigene Presse verfügte, machten wir in den Ateliers Mirós die Proben. Beim zweiten Versuch brachen die Platten. Die Resultate waren jedoch so interessant, dass Miura unbedingt eines der beiden Exemlare haben wollte. Ich unterschrieb ihm die Arbeit, auf seinen Wunsch hin, auf beiden Seiten. Da der Druck der Presse so stark war, hatten sich die Schieferplatten durch das Papier gedrückt und auch auf der Rückseite des Papiers einen starken Abdruck hinterlassen.

Zu diesem Zeitpunkt fing ich an, mich ernsthaft mit dem Thema des Schieferdrucks als neues Experiment des Kunstdrucks auseinanderzusetzen.

Als Erstes kaufte ich eine Druckpresse. Danach fing ich an, die Schieferplatten gezielter auszuwählen, je nach Herkunft ist der Schiefer weicher oder härter, die Oberfläche ebener u. s. w. Danach machte ich die ersten Drucke, wobei ich die Schiefermatritze nur mit Stichel und Kaltnadel bearbeitete. Das ist für die Hände sehr mühsam, hat allerdings den Vorteil, dass die natürliche Maserung des Schiefers sichtbar bleibt. Die Platte bricht bei dieser Methode jedoch sehr schnell. Dann probierte ich es mit der Colografie. Das heißt, auf die Matritze wird eine Mischung aus Talk, Wasser und Härter aufgetragen, und auf diese werden dann die Motive eingearbeitet, geritzt oder auch als Kollagen gemacht. Die Platte wird dadurch etwas widerstandsfähiger, und man hat etwas mehr Zeit, die Entwicklung der Brüche vorauszusehen. Wenn diese Mischung nun getrocknet ist, wird das Ganze mit einem Lack überzogen, der es nachher möglich macht, die verschiedenen Tinten aufzutragen.

Es ist bei dem ganzen Arbeitsprozess sehr wichtig, mit dem genauen Druck der Presse zu beginnen, da sonst die Platte schon beim ersten Versuch verloren geht. Das ist eigentlich technisch der entscheidende Moment. Er ist außerdem bei jeder Platte verschieden, und jede minimale Abweichung entscheidet über das Endergebnis.

Wenn ich nun den richtigen Druck habe, beginnt das Spiel. Wann, wie, an welcher Stelle wird die Platte brechen? Ideal ist es, wenn man vor dem ersten Bruch einige Proben machen kann. Mit der ersten kleinen Fissur kann man eigentlich schon voraussehen, wie sich die Platte verhalten wird. Dabei ist natürlich immer ein wenig Fortuna im Spiel.

Nun beginnt eigentlich erst der schönste Teil dieses Schöpfungsprozesses. Die Platte ist gebrochen und hinterlässt die Bruchstellen als weiße Linen auf dem Papier. Diese Linen variieren nun bei jedem weitern Druck, denn es kommen immer neue Bruchstellen hinzu. Es kommt so weit, dass man die Matrize nun gar nicht mehr von der Presse wegnehmen kann, um sie neu einzutinten, sondern man muss sehr vorsichtig – am besten mit kleinen Schwämmchen – versuchen, die Tinte aufzutragen.

Oft erzielt man gerade mit diesen letzten Drucken die erstaunlichsten Ergebnisse, die natürlich nicht immer voraussehbar sind, aber gerade darin ihren ganz besonderen Reiz haben.

Es ist darum auch völlig unmöglich, zwei oder mehrere Exemplare zu drucken, die genau gleich sind, aber gerade das macht eben auch jedes Exemplar zum Unikat.

In den vergangen Jahren, in denen ich mit Schiefer als Druckplatte gearbeitet habe, konnte ich mich mit diesem Material und seinen vielfältigen Möglichkeiten vertraut machen. Trotzdem glaube ich, dass es bestimmt hin und wieder neue Überraschungen geben wird.


Im Jahr 2000 habe ich zum ersten Mal drei Arbeiten mit dieser Technik in der National Bibliothek von Madrid vorgestellt. 2001 wurde eine Arbeit ausgewählt beim ”III Premio de Grabado” Fundación Deutsche Stiftung, Madrid, und beim „IX Premio Nacional de Grabado y Arte Gráfico 2001“ der Calcografía Nacional Real Academia de Bellas Artes de San Fernando Madrid.