Home - Inicio
home
galerie
technik
vita
presse
kontakt
enlaces / links
disclaimer
español

Bruni Heym

 

Palma Kurier, 12.1.2001

Palma Kurier: Kunst aus dem Bergwerk
 


Kunst aus dem Bergwerk

Bruni Heym druckt mit Schieferplatten / Spanische Nationalbibliothek bekundet Interesse

Die deutsche Bruni Heym stellt mit Schieferplatten und einer Druckerpresse Kunstdrucke her. Künstlerkollegen hielten das zwar für unmöglich. Bruni Heym aber hat die Methode so raffiniert ausgearbeitet, daß sich jetzt sogar die spanische Nationalbibliothek für ihre Technik interessiert.

Von Silke Reinhold
Palma - Wenn Bruni Heym mal wieder in Deutschland war und die Rückreise nach Mallorca antritt, dann weiß sie mittlerweile, was sie am Flughafen erwartet. Denn ein paar seltsame Objekte in ihren Taschen rufen bei den Zollbeamten regelmäßig Mißtrauen hervor.
Die 47jährige Frau versucht nicht etwa, gefährliches Material ins Ausland zu schmuggeln. Was die Künstlerin da im Gepäck hat, sind Schieferplatten, mit denen in ihrem Geburtsort die Dächer gedeckt werden. Sie kauft sie in einem Bergwerk im Runsrück. 20 bis 30 von den bis zu 500 Gramm schweren Platten nimmt die Künstlerin mit ins Flugzeug. Die Kosten für das Übergepäck sind oft höher als der eigentliche Wert des Schiefers.

Der ungewöhnliche Ballast ist jedoch nicht für das Dach ihres Hauses in Santa Ponsa bestimmt, wo sie mit ihrer Familie seit 23 Jahren lebt. Sie benutzt den Schiefer für ein von ihr erfundenes Verfahren zur Herstellung von Kunstdrucken.

Das Material Schiefer begleitet die gebürtige Rennweilerin seit ihrer Kindheit im Hunsrück. Mit dem Vater spazierte sie durch den Schieferbergbau, später schrieb sie als Schülerin auf Schiefertafeln. Vor drei Jahren begann sie, Schiefer als Material für Drucke zu verwenden. Daß ihr Lithografen davon abrieten, empfand die Mutter von drei Kindern als "Herausforderung", von den herkömmlichen Materialien wie Stein, Holz oder Metall abzukommen. "Ich habe lange probiert, damit die Platten nicht sofort brechen oder wegrutschen."

Das Problem: Der Schiefer ist sehr empfindlich und bricht bei den Druckvorgängen verhältnismäßig schnell. Bruni Heym machte aus der Not eine Tugend und setzt die Sensibilität des Schiefers kreativ ein. "Die Brüche verleihen jedem Bild einen besonderen Reiz. Ich finde gerade das so interessant an diesem Material. Jeder Druck ist einzigartig." Oft seien es gerade die letzten Durchgänge, bei denen die schönsten Drucke entstehen. "Ich ärgere mich zwar, daß ich nach einem so schönen Druck nicht mehr weitermachen kann. Aber das macht das Ergebnis um so wertvoller", sagt Heym.

Die Gravuren kratzt sie mit einem spitzen Meißel in den Stein. Das ist zwar ein ziemlich anstrengende Methode, aber dadurch bleibt die natürliche Maserung des Materials erhalten.

Viele Kilo Übergepäck und viel Geduld hat es die Künstlerin gekostet, die richtige Stärke der Presse zu finden und die Haltbarkeit der Platten zu erhöhen. Mit Hilfe einer speziellen Paste hat sie es geschafft, bis zu zwölf Mal mit einer Platte zu drucken. Am Schluß sei der Schiefer oft völlig zerbröckelt und die Druckplatte könne gar nicht mehr aus der Presse genommen werden. Die Farbe muß die Künstlerin dann mit einem Schwamm auftragen. "Dies ist oft der Moment, in dem mir meine Werke am besten gefallen."

Nach einer Ausstellung in der Fundación Miró in Palma wurde die Nationalbibliothek in Madrid auf die Deutsche aufmerksam. Sie baten Bruni Heym um eine theoretische Anleitung über die von ihr erfundene Drucktechnik mit Schieferplatten und zwei Originaldrucke für den Bestand der Kunstbibliothek. Eine große Ehre für Bruni Heym, die sich nicht zweimal bitten ließ. "Ich möchte, daß auch andere Künstler den Zutritt zu meiner Technik haben. Wer weiß, vielleicht haben andere ja noch mehr Ideen, um sie zu perfektionieren."

Wer auch immer sich der Technik in Spanien bedienen wird, den umständlichen Transport brauchen die Künstler nicht mehr auf sich zu nehmen. Bei einem ihrer letzten Einkäufe im Hunsrück sah Bruni Heym auf einer Kiste Schiefer das Schild "Made in Spain". Auf Nachfrage bei dem Betreiber des Bergwerkes erfuhr sie: Die Platten, die sie mühsam in Kleinmengen nach Mallorca ausgeführt hatte, waren kurz zuvor aus Alicante nach Deutschland importiert worden.

Bis Ende Januar sind Arbeiten von Bruni Heym in der Galerie Linda Hewitt in Esporlas zu sehen.

© 2001-2002 Bruni Heym, Santa Ponsa/Mallorca - www.bruni-heym.com
info@bruni-heym.com
Website-Konzeption und -Erstellung:
Ditta U. Krebs
webmaster@bruni-heym.com

última actualización / letzte Aktualisierung 11/06/02