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Kunst aus dem Bergwerk
Bruni Heym druckt mit Schieferplatten / Spanische Nationalbibliothek bekundet Interesse
Die deutsche Bruni Heym stellt mit Schieferplatten und einer Druckerpresse Kunstdrucke
her. Künstlerkollegen hielten das zwar für unmöglich. Bruni Heym aber hat die Methode so raffiniert ausgearbeitet, daß sich jetzt sogar die spanische Nationalbibliothek für ihre Technik interessiert.
Von Silke Reinhold Palma
- Wenn Bruni Heym mal wieder in Deutschland war und die Rückreise nach Mallorca antritt, dann weiß sie mittlerweile, was sie am Flughafen erwartet. Denn ein paar seltsame Objekte in ihren Taschen rufen bei den Zollbeamten regelmäßig Mißtrauen hervor.
Die 47jährige Frau versucht nicht etwa, gefährliches Material ins Ausland zu schmuggeln. Was die Künstlerin da im Gepäck hat, sind Schieferplatten, mit denen in ihrem Geburtsort die Dächer gedeckt werden. Sie
kauft sie in einem Bergwerk im Runsrück. 20 bis 30 von den bis zu 500 Gramm schweren Platten nimmt die Künstlerin mit ins Flugzeug. Die Kosten für das Übergepäck sind oft höher als der eigentliche Wert des Schiefers.
Der ungewöhnliche Ballast ist jedoch nicht für das Dach ihres Hauses in Santa Ponsa
bestimmt, wo sie mit ihrer Familie seit 23 Jahren lebt. Sie benutzt den Schiefer für ein von ihr erfundenes Verfahren zur Herstellung von Kunstdrucken.
Das Material Schiefer begleitet die gebürtige Rennweilerin seit ihrer Kindheit im
Hunsrück. Mit dem Vater spazierte sie durch den Schieferbergbau, später schrieb sie als Schülerin auf Schiefertafeln. Vor drei Jahren begann sie, Schiefer als Material für Drucke zu verwenden. Daß ihr Lithografen
davon abrieten, empfand die Mutter von drei Kindern als "Herausforderung", von den herkömmlichen Materialien wie Stein, Holz oder Metall abzukommen. "Ich habe lange probiert, damit die Platten nicht
sofort brechen oder wegrutschen."
Das Problem: Der Schiefer ist sehr empfindlich und bricht bei den Druckvorgängen
verhältnismäßig schnell. Bruni Heym machte aus der Not eine Tugend und setzt die Sensibilität des Schiefers kreativ ein. "Die Brüche verleihen jedem Bild einen besonderen Reiz. Ich finde gerade das so
interessant an diesem Material. Jeder Druck ist einzigartig." Oft seien es gerade die letzten Durchgänge, bei denen die schönsten Drucke entstehen. "Ich ärgere mich zwar, daß ich nach einem so schönen
Druck nicht mehr weitermachen kann. Aber das macht das Ergebnis um so wertvoller", sagt Heym.
Die Gravuren kratzt sie mit einem spitzen Meißel in den Stein. Das ist zwar ein ziemlich
anstrengende Methode, aber dadurch bleibt die natürliche Maserung des Materials erhalten.
Viele Kilo Übergepäck und viel Geduld hat es die Künstlerin gekostet, die richtige Stärke
der Presse zu finden und die Haltbarkeit der Platten zu erhöhen. Mit Hilfe einer speziellen Paste hat sie es geschafft, bis zu zwölf Mal mit einer Platte zu drucken. Am Schluß sei der Schiefer oft völlig zerbröckelt
und die Druckplatte könne gar nicht mehr aus der Presse genommen werden. Die Farbe muß die Künstlerin dann mit einem Schwamm auftragen. "Dies ist oft der Moment, in dem mir meine Werke am besten gefallen."
Nach einer Ausstellung in der Fundación Miró in Palma wurde die Nationalbibliothek in
Madrid auf die Deutsche aufmerksam. Sie baten Bruni Heym um eine theoretische Anleitung über die von ihr erfundene Drucktechnik mit Schieferplatten und zwei Originaldrucke für den Bestand der Kunstbibliothek. Eine
große Ehre für Bruni Heym, die sich nicht zweimal bitten ließ. "Ich möchte, daß auch andere Künstler den Zutritt zu meiner Technik haben. Wer weiß, vielleicht haben andere ja noch mehr Ideen, um sie zu
perfektionieren."
Wer auch immer sich der Technik in Spanien bedienen wird, den umständlichen Transport
brauchen die Künstler nicht mehr auf sich zu nehmen. Bei einem ihrer letzten Einkäufe im Hunsrück sah Bruni Heym auf einer Kiste Schiefer das Schild "Made in Spain". Auf Nachfrage bei dem Betreiber des
Bergwerkes erfuhr sie: Die Platten, die sie mühsam in Kleinmengen nach Mallorca ausgeführt hatte, waren kurz zuvor aus Alicante nach Deutschland importiert worden.
Bis Ende Januar sind Arbeiten von Bruni Heym in der Galerie Linda Hewitt in Esporlas zu sehen.
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